Hegering Gerolstein

Bereits seit geraumer Zeit fordert der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. eine wirksame Reduzierung überhöhter Schwarzwildbestände, da diese sowohl ein Seuchenrisiko als auch ein erhöhtes Wildschadensrisiko mit sich bringen. Aus diesem Grund wird seit vielen Jahren ein gemeinsames Papier zur Reduzierung der Schwarzwildbestände erarbeitet, dass sowohl von den Interessengemeinschaften Jagdgenossenschaft der  rheinland-pfälzischen Bauernverbände, als auch vom Landesjagdverband, dem Gemeinde- und Städtebund als auch  vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten mitgetragen wird. Das Handlungsprogramm wurde auch für die Jagdjahre 2012/2013 und 2013/2014 angepasst und verabschiedet:

Handlungsprogramm: 

Gemeinsame Bejagungsempfehlung und Maßnahmen des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung Weinbau und Forsten, des Landesjagdverbandes Rheinland-Pfalz e.V., der Interessengemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau e. V, der Fachgruppe Jagdgenossenschaften im Bauern

- und Winzerverband Rheinland-Pfalz-Süd e. V. und des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz. 

Die Schwarzwildbestände sind auf eine den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepasste Bestandsdichte zu bringen, um insbesondere

 

Schwarzwildschaden in der Landwirtschaft und im Wein­bau zu verringern,

das Risiko einer möglichen Ausbreitung von infektiösen Tierseuchen abzusenken sowie

Gefahren durch Verkehrsunfälle mit Schwarzwildbeteiligung zu mindern.

 

Daher fordern die Unterzeichner alle Verantwortlichen vor Ort auf, die nachfolgenden, gemeinsam erarbeiteten Bejagungsempfehlungen und Maßnahmen umzusetzen: 

1. Der Schwarzwildbestand ist in allen Landesteilen von Rheinland-Pfalz deutlich zu verringern. Die zuständi­gen Behörden werden die jagd- sowie die tierseuchen-rechtlichen Vorschriften konsequent anwenden und de­ren Einhaltung kontrollieren. 

2. Das Schwarzwild muss weiterhin ganzjährig intensiv bejagt werden. Hierzu sind die Jagdausübungsberechtigten, die Jagdrechtsinhaber und die zuständigen Jagdbehörden aufgefordert, alle jagdpraktischen und rechtlichen Möglichkeiten zur Optimierung der Schwarzwildbejagung auszuschöpfen. Die Schonzeit für Schwarzwild bleibt in Rheinland-Pfalz bis auf weiteres aufgehoben.

3. Neben eventuellen jagdbezirksspezifischen Vorgaben sollen die abzuschließendenAbschussvereinbarungen/Abschusszielsetzungen für Schwarzwild diese Bejagungsempfehlungen zum Inhalt haben. 

4. Frischlinge sind umfassend und unabhängig von ih­rer Verwertbarkeit zu bejagen. 

5. Der Abschuss der Zuwachsträger (weibliche Stücke) ist deutlich zu steigern. Bachen, die noch erkennbar abhängige Frischlinge führen, sind zu schonen. Bei sich bietender Auswahlmöglichkeit gilt jedoch weiterhin die Regel „jung vor alt". 

6. Jegliche Beschränkungen der Jagdausübung auf Schwarz­wild durch Gewichts-­ oder Altersvorgaben erschweren den erforderlichen Reduktionsabschuss und sind zu unterlassen.

7. Großräumige, revierübergreifende Bewegungsjagden gelten als besonders effektive Form der Schwarzwild­bejagung und sind vermehrt durchzuführen. 

8. In den Mondphasen und bei Schneelage sollen Gemeinschaftsansitzjagden auf Schwarzwild durchgeführt werden, nach Möglichkeit revierübergreifend. 

9. Der künstliche Futtereintrag ist zu minimieren. Jäger, Grundeigentümer, Landnutzer und Jagdbehörden sollen Verstöße gegen die Fütterungs- und Kirrungsbestimmungen entschieden entgegen treten. Im Rahmen ihrer dienstlichen Verpflichtung sind Forstbe­amte verpflichtet, ordnungswidriges Verhalten anzuzeigen. 

10. Die Jagdausübungsberechtigten sollen revierlose Jäger und Jägerinnen am Abschuss von Schwarzwild betei­ligen. Der Landesjagdverband fordert seine Mitglieder hierzu nochmals auf. 

11. Für die Erlegung von Schwarzwild werden in der staatli­chen Regiejagd keineJagdbetriebskostenbeiträge erhoben. 

12. Die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe unterstüt­zen die Jagdausübungsberechtigten bei der Bejagung durch Verbesserung der jagdlichen Infrastruktur, in­sbesondere durch Anlegen von Schussschneisen - soweit hierdurch keine wirtschaftlichen Einbußen durch Weg­fall von Fördermitteln zu besorgen sind. Sie fördern zu­dem die Bejagung durch sofortige Verständigung der Jagdausübungsberechtigten bei Einwechseln von Schwarzwild in gefährdete Kulturen. Die Bauern- und Winzerverbände fordern ihre Mitglieder auf, aktiv das Gespräch zur Verbesserung der jagdlichen Infrastruktur mit den Jagdausübungsberechtigten zu suchen.

13. Die Unterzeichner appellieren an die Kreisverwaltungen und Verwaltungen kreisfreier Städte, ihre Möglichkeiten der Gebührenreduzierung für die Trichinenbeschau beim Schwarzwild, insbesondere bei Frischlingen, voll auszuschöpfen und die regionale Schwarzwildpro­blematik anlässlich der üblichen Jagdbeiratssitzun­gen mit allen Beteiligten zu diskutieren, um evtl. als untere Jagdbehörde in einzelnen Jagdbezirken steuernd eingreifen zu können.